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Was die Fachleute sagen

Ein emeritierter ETH-Professor für Bauwerkserhaltung hat die Halle untersucht und das Projekt geprüft. Seine Kritik liegt schriftlich vor.

Die Kritik am aktuellen Projekt stammt nicht von Laien. Prof. Eugen Brühwiler, Dr. dipl. Bauingenieur ETH/SIA, war dreissig Jahre Professor für Bauwerkserhaltung an der ETH Lausanne, ist Bundesexperte für Denkmalpflege und leitete die Erarbeitung der SIA-Normen 269 «Erhaltung bestehender Tragwerke». Er hat die Turnhalle 2021 untersucht, am fachlichen Austausch vom 27. März 2026 teilgenommen und sich am 19. Mai 2026 schriftlich an die Schulpräsidentin gewandt. Er hält in seinem Schreiben ausdrücklich fest, dass er sich aus Idealismus einsetzt und von niemandem bezahlt wird.

«Die nun präsentierte Kostensteigerung von 2,6 Millionen Franken (oder 28% gegenüber dem Projekt 2024) begründet sich weitgehend auf einer ungenügenden und teilweise falschen Analyse und Diagnose der Bausubstanz der denkmalgeschützten Turnhalle.»

Prof. Eugen Brühwiler, Schreiben an die Schulpräsidentin vom 19. Mai 2026. Vollständiges Schreiben (PDF)

Der Zustand der Halle: «gut»

Brühwiler hat die Bausubstanz am 1. April 2021 im Beisein des Architekten und eines Bauberaters untersucht. Sein Befund, Geschoss für Geschoss dokumentiert:

Keller und Erdgeschoss

Keine nennenswerten Bauschäden, keine Anzeichen eines ungewöhnlichen Tragverhaltens. Die Risse in den Betonmauern bleiben im Millimeterbereich, die statische Funktion ist gewährleistet. Keine Wassereintritte.

Dach und Fassaden

Die Dachkonstruktion ist trocken und zeigt keine Verformungen. Das Dach ist funktionstüchtig. Die Fassaden weisen keine bedeutenden Bauschäden auf.

Gesamturteil

Der Zustand der Bausubstanz wird als «gut» qualifiziert – das ist die beste von vier Stufen. Gegenüber der Zustandsaufnahme des Ingenieurbüros Wehrle & Schiess von 2014 hat sich der Zustand nicht verschlechtert.

Quelle: Memorandum Zustandsbeurteilung, 26. April 2021 (PDF)

Vier Eingriffe, die bestritten sind

Am Austausch vom 27. März 2026 trafen das Planungsteam und Brühwiler aufeinander. Das Protokoll der Schulgemeinde hält beide Positionen fest. Wir geben sie so wieder, wie sie protokolliert sind – auch die Gegenargumente. Die Beurteilung der Statik ist Sache der Fachleute, nicht des Komitees.

StreitpunktPosition des PlanungsteamsPosition Prof. Brühwiler
Pfahlfundation unter der ganzen Halle Für eine dauerhaft stabile Fundation und zur Vermeidung von Differenzsetzungen zwischen bestehenden und neuen Gebäudeteilen sei eine Pfahlfundation des gesamten Gebäudes erforderlich. Auf die Pfählung sei zu verzichten. Die Zustandsberichte von 2014, 2021 und 2025 sowie die Begehung hielten fest, dass keine Schadensentwicklung infolge Setzungen im Gang sei. Die Risse verliefen vertikal und seien auf das Schwinden des Stampfbetons zurückzuführen, nicht auf Setzungen.
Erdbebenertüchtigung Vier Erdbebenscheiben in den Ecken der Halle. Das Planungsteam bezweifelt, dass diese Massnahmen vollständig weggelassen werden können. Eine Berechnung werde ergeben, dass darauf verzichtet werden kann, wenn der Erfüllungsfaktor 0.4 nach SIA 269/8 angewandt und mit den Normen für den Bestand statt für Neubauten gerechnet wird.
Hallenboden Ersatz des bestehenden Holzbodens durch eine Betondecke. Damit liessen sich Statik, Brandschutz, Halleneinrichtung, Heizung und Anschlüsse optimal und kostengünstig lösen. Der Hallenboden sei zu ertüchtigen statt zu ersetzen. Das entspreche dem Grundsatz möglichst geringer Eingriffe in die Statik.
Bodenplatte im Untergeschoss Erstellung in einem Zug sei effizienter; eine raumweise Erstellung wäre wegen kleinteiliger Etappen deutlich aufwändiger und teurer. Die Wände seien möglichst zu erhalten und die Bodenplatte raumweise zu erstellen.

Quelle: Protokoll «Austausch zur Projektierung Mehrzweckhalle Oberhofen» vom 27. März 2026, verfasst von der Bauherrenvertretung, im Anhang des Schreibens vom 19. Mai 2026.

Was im Protokoll ebenfalls steht

Das Planungsteam sagte am 27. März zu, die Optimierungsvorschläge zu prüfen und der Baukommission eine Entscheidungsgrundlage vorzulegen: Pfählung weglassen, Bodenplatte raumweise, Wände im Untergeschoss erhalten, Erdbebenwände so weit als möglich weglassen, Hallenboden in Holz belassen und ertüchtigen, Anbau baulich vom Bestand lösen.

Wie diese Prüfung ausgegangen ist, wurde bis heute nicht öffentlich dargelegt. Das ist eine der Fragen, die wir der Bauherrschaft eingereicht haben.

Drei Punkte aus dem Protokoll, die aufhorchen lassen

50 000 Franken nicht genutzt

Die Gebäudeversicherung wäre bereit gewesen, das Gebäude objektbezogen als «Gebäude geringer Höhe» einzustufen. Das hätte laut Protokoll ein Einsparpotenzial von rund 50 000 Franken ergeben. Die Baukommission entschied, diese Optimierung nicht weiterzuverfolgen.

300 oder 480 Personen?

Im Protokoll vom 27. März 2026 ist festgehalten, dass im Vorprojekt mit einer maximalen Belegung von 300 Personen geplant wurde. In der Botschaft vom Juli 2026 werden 480 Personen als Grundlage genannt und dafür 320 000 Franken Mehrkosten ausgewiesen. Diese Differenz haben wir zur Klärung eingereicht.

Zahlen unter Verschluss

Als Brühwiler am 27. März nach den Kostenangaben fragte, hielt das Protokoll fest, dass die Schul- und die politische Gemeinde eine Nennung der Beträge aus der Kostenschätzung bis zur Informationsveranstaltung vom 28. April 2026 untersagt hatten.

Was Brühwiler verlangt

  1. Die aufgezeigten Projektierungsmängel beheben

    Er fordert die Bauherrschaft auf, die im Protokoll festgehaltenen Punkte unverzüglich in der weiteren Projektarbeit umsetzen zu lassen.

  2. Das Projekt von 2024 wieder aufnehmen

    Also jenes Projekt, dem die Stimmberechtigten am 24. November 2024 zugestimmt haben.

  3. Die Widersprüche öffentlich klären

    Er erwartet eine Stellungnahme dazu, wie die Bauherrschaft die Widersprüche zwischen dem vom Stimmvolk genehmigten Projekt von 2024 und dem neuen Projekt auflösen will.

Auch das gehört zur Fairness

Brühwiler stimmte am 27. März mehreren geplanten Eingriffen ausdrücklich zu, etwa der Ertüchtigung des Dachstocks und dem Ersatz des überlasteten Fachwerks über der Bühne. Seine Kritik richtet sich nicht gegen die Sanierung, sondern gegen deren Umfang. Genau das ist auch unsere Haltung.

Die Dokumente im Original

DokumentDatumVerfasser
Memorandum: Zustandsbeurteilung der Bausubstanz (PDF)26.04.2021Prof. Eugen Brühwiler
Schreiben an die Schulpräsidentin, mit Protokoll des Austauschs vom 27. März 2026 (PDF)19.05.2026Prof. Eugen Brühwiler / Protokoll: Bauherrenvertretung

Veröffentlichung mit Zustimmung des Verfassers. Im Schreiben wurden die Mailadressen der Empfänger aus Datenschutzgründen entfernt; inhaltlich ist das Dokument unverändert.